Sie bieten auf einen orginalen Holzschnitt wahrscheinlich von dem jungen ALBRECHT DUERER (?)(zweite Ausgabe nach dem ersten Druck 1494).
Der Holzschnitt entstammt der Ausgabe Geiler von Kaisersberg, J.
Navicula sive speculu(m) fatuoru(m). A J. Othero collecta. Compendiosa vite eiusdem descriptio, per Beatum Rhenanum.
Straßburg, (J. Prüss d. J.), 16. Jan. 1520. 4to (ca. 18,2 x 27,8 cm) Literature: VD 16, G 778; Adams G 316; Proctor 9995; Muller 21, 89; Meder 373; Dacheux 50.
Aber: In dem Buch von Wolfgang Hütt "Albrecht Dürer, Das gesamte graphische Werk", Vol. 2 Druckgraphik", Verlag Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, wird nicht gesagt das der Holzschnitt von Albrecht Dürer stammt.
Das ist die erste deutsche Ausgabe der Narrenschiffpredigten Geilers, übertragen durch den Franziskaner Johannes Pauli. Als Buchschmuck verwendete Grüninger, wie bereits in der 1511 erschienen lateinischen Ausgabe, die Holzschnitte aus der ersten Basler Ausgabe von Seb. Brants Narrenschiff von 1494. Die neuere Forschung schreibt diese zum großen Teil dem jungen Dürer zu, der sich zu dieser Zeit in Basel aufhielt. "Neben der Lübecker Bibel der gewichtigste Zyklus in Holzschnitt, der vor der Apokalypse erschienen ist" (Winkler). Der Zustand ist sehr gut und auf den Bildern gut erkennbar.
Aufgebaut ist das Narrenschiff in 112 Kapitel. Jedem Kapitel ist als Motto ein gnomischer Dreizeiler vorangestellt, der eine Zusammenfassung des Holzschnittes und des folgenden Textes darstellt. Dabei wurden die Holzschnitte bewußt als Element des illustrierten Volksbuches zur Interpretationsunterstützung gewählt. Der Hauptteil dieser Holzschnitte wird heute nahezu einstimmig dem jungen Dürer zugeordnet. Die außergewöhnlich hohe Qualität der Schnitte war in der Verbindung mit dem Text sicherlich ebenfalls ein Grund, weshalb das Narrenschiff der größte deutsche Bucherfolg vor Goethes „Werther" wurde.
Dem Narrenschiff ebneten prägende Vorläufer didaktischer Dichtung, zum Beispiel Wittenwilers „Ring", Freidanks „Bescheidenheit" oder Thomasius „Wälscher Gast", den Weg. Als Quellen des Narrenschiffs diente das Alte Testament, vor allem Salomo; das Neue Testament fand hingegen weniger starke Berücksichtigung. Weiter adaptierte Brant klassische römische Literatur wie etwa Ovid, Vergil oder Juvenal sowie Teile des römischen Rechts. Vorbild für Brants Verbildlichung abstrakter Narrheit stellt der Katalog der sieben Todsünden dar: Hoffahrt, Wollust, Völlerei, Neid, Trägheit, Geiz und Zorn.
Zur Deutung des Narrenschiffs:
Durch Brant wurde die vorherige Randfigur des Narrens im Volksleben zur Symbolfigur der menschlichen Unvollkommenheit und des sündigen Fehlverhaltens. Dabei war Brant nicht der Begründer der Narrenliteratur. Die Totalisierung der Narren, die Verschmelzung verschiedener Narrengestalten zu einem Narrentypus war ein neuer Aspekt der Narrenliteratur; Brant verhalf ihr damit zum Durchbruch.
Erstmals in Brants Narrenfiguren wird der Narr zur zentralen Figur einer Bezeichnung für alle Menschen, die sich außerhalb der durch göttlichen Offenbarung und Vernunft gesetzten Normen bewegen. Als typisch mittelalterliches Element verwendete er die negative Typisierung. Anders als beispielsweise noch im Wittenweiler „Ring" hatte nun der 'Typus Narr' den Bauern als Symbol für Tumbheit ersetzt.
Ein wiederkehrendes Element ist der Tod als Symbolisierung der Vergänglichkeit des Irdischen. Tod und Apokalypse waren für Brant Zeichen des Weltuntergangs inmitten des Sittenverfalls, des Versinkens in Sünde: Narrheit als Folge des Abgangs vom Glauben. Der apokalyptische Gedanke sollte deutlich machen, daß ein schnelles Handelns nötig sei, um der Verdammnis zu entgehen, die jeden Moment hereinbrechen könne.
Brant, der sein Hauptwerk in einer politisch unruhigen Zeit schrieb, war ein moralischer Endzeitprediger, der zur Buße aufrief, um wieder zu rechtem Glauben und Sitten zurückzufinden. Sein Rezept: Die Rückkehr zur göttlichen Weisheit durch Selbsterkenntnis, nur das Erkennen konnte die Rettung des Narren bewirken